Eine Hymne auf Palenque:
Palenque im Bundesstaat Chiapas gehört zu unseren meist bereisten "Langstrecken-Zielen" und befindet sich 800 km ,7-9 Autostunden von Puebla entfernt. Ich weiß gar nicht wie oft wir dort „Halt“ gemacht haben...5 Mal, 8 Mal? In Addition waren es ca. 2 Wochen.
Die erste Zeit waren wir lediglich auf der Durchreise. Mittlerweile ist Palenque für uns zum Reiseziel geworden. Warum? Sicher nicht wegen der berühmten Ruine des Mayastaats, genau der Pyramidenanlage auf der sich täglich 1000de Menschen tummeln. Auch Pueblo Magicos/ Magische Dörfer gibt es in Mexiko schönere als Palenque. Und ein Meer findet man nicht. Was uns faziniert?
Es ist zum einen die abwechslungsreiche Anreise durch vier Bundesstaaten Puebla, Veracruz, Tabasco und Chiapas, und zum anderen hat Palenque im Dschungel viel zu bieten. Schlafen kann man fantastisch in der "Villa Mercedes". Der Name spricht für sich.
Von hier gehts auf zu Abenteuern: Río Usumacinta , Ausgrabungsstätte Yaxchilán , Archäologische Zone Bonampak, Wasserfälle Roberto Barrios", kurze Stippvisite in Guatemala.. und, und, und ...
Ein Tag reicht nicht um das zu schaffen. Und wir haben noch lange nicht alles unter die Lupe genommen.
Ich habe Lust auf Toniná und Piedras Negras. War schon mal jemad dort ?
Was uns wichtig ist: Den Abschluss des Nachmittags wollen wir ausnahmslos ab 17:00 Uhr in Palenque in unserem Lieblingscafé: Cafe FUGA" verbringen. Etwas Vergleichbares haben wir in Mexiko bisher nicht entdeckt: Das Café ist unbekannt, unscheinbar und versteckt. Es ähnelt einem futuristischen Beton-Bunker, der von den grünen Armen und vom Sound des Dschungels umschlossen wird. Das ausgewählte Design verschafft dem Café ein besonderes Ambiente … dabei ist es eigentlich "nur" eine Bar, mit anspruchsvollem Unterhaltungsprogramm, einer hand-voll Gästen, und um 20:00 Uhr ist Feierabend. Ganz nach unserem Geschmack! Bei Hunger geht’s nebenan weiter in der Pizzeria "EL PARAISO".Wenn wir mal einen Tag am Pool verschnaufen und das Erlebte Revue passieren lassen, dann versorgt uns das Restaurant des Hotels "La Aldea".
Alle diese Stationen:"Villa Mercedes", "Cafe Fuga", Pizzeria "EL PARAISO", Hotel "La Aldea" , ebenso Palenques Hauptattraktion die archäologische Zone liegen an der menschenleeren Strasse "Ruinas Carr.Zona Arqueologica Palenque“. 
Ja man kann sagen, wir haben uns in dieser Straße die Rosinen rausgesucht. Alle Locations sind zu Fuß erreichbar. Sollte uns wirklich mal langweilig sein, dann laufen wir bis ans Ende der Strasse und schauen im "Steingarten der Götter" vorbei, der berühmten Ruine des Mayastaats, Palenques Hauptattraktion ....Aber nur in der letzten Stunde. Dann ist man alleine und hat das beste Licht. Viel Spass beim Anschauen.

Dia de Muertos: 
Sein wir doch mal ehrlich: Tod bedeutet für viele von uns Tränen, Abschied, Schmerz, tiefe Trauer. Erinnerungen an verlorene Menschen tun weh, und so ist der Tod ein Thema was wir lieber verdrängen. In Mexiko geht man anders mit dem Ende des Lebens um. Hier versteckt man sich nicht davor. Hier hält man sich den Tod ganz nah. Mexikaner schmücken Anfang November ihre Häuser mit Altären darauf stehen Bilder der Verstorbenen. Sie essen Totenschädel aus Zucker, oder das "Brot der Toten“ ( Kuchen). Um den Verstorbenen für eine Nacht den Weg zurück auf die Erde zu zeigen, erstrahlt ein ganzes Land Anfang November in Blüten aus orange.(La flor de Cempasúchil). Dazu wird gefeiert. Aufwendig zelebriert man an allen Orten die Rückkehr der Verstorbenen. Doch was der Tod genau ist, das bleibt den Mexikanern verborgen. Warum ? Um es mit den Worten mit Octavio Paz zu sagen:
"Was kümmert mich der Tod, wenn mich das Leben nicht Kümmert !" El Laberinto de la Soledad

Die abenteuerliche Reise zum  „Arroyo del Cura“ Canyon 

 

Ich war schockverliebt, als im Mai 2021 die ersten Fotos vom „Arroyo del Cura“ Canyon im Netz auftauchten. Von dem Moment an bestimmte nur noch ein Gedanke meinen Alltag: „Ich muss diesen Ort finden!“

 

Und das war eine wahre Herausforderung, denn es gab keine genauen Ortsangaben. Acht Monate recherchierte ich im Internet, schrieb nahegelegene Touristen-Informationszentren an, doch ohne Erfolg. Man schickte mir Ausreden wie: „Geschlossen wegen Regenzeit“ oder ich erhielt gar keine Antwort. Der Canyon hielt sich vor mir versteckt. 

 

 

Anfang Februar 2022 stieß ich dann auf ein aktuelles YouTube-Video. In dem Clip beschrieb jemand den beschwerlichen Weg zum Flussbett. Ich klammerte mich an diesen Film wie an einen Strohalm, machte von den einzelnen Etappen Screenshots und klärte gleichzeitig die Naturpfade im Internet ab. Es schien abenteuerlich, denn der Canyon lag weit ab vom Schuss. 

 

5. Februar: Besessen mit einer groben Skizze, einer ungefähren Vorstellung im Kopf, ganz viel Mut und noch mehr Hoffnung starten wir in Richtung Norden. Das Navi sagt: 233 km , 3 1/2h Fahrt, Ankunft 13:00Uhr.

 

Endlich! Nach 8 Monaten ist es so weit. Ich bin aufgeregt wie ein Chihuahua und kaum zu bremsen.  So lange hatte ich auf diesen Tag gewartet. Draußen sind 20 Grad, optimales Reisewetter.

Die Fahrt geht durch die hügeligen Landschaften Mexikos. Die Stimmung kann besser nicht sein. Wie ein kleines Kind freue ich mich auf das, was dieser Tag bringen wird.

 

Nach 150 Kilometern meldet sich der Bord-Computer mit :„Bing,Bing“, diesem speziellen Geräusch für Glatteis, und ich denke ich traue meine Augen nicht. Die Temperaturanzeige zeigt exakt 3 Grad. „Na toll!“ schiesst es mir durch den Kopf. Wir sind kurzärmelig angezogen. Die Jacken sind zu Hause geblieben. Vorsichtig öffne ich die Seitenscheibe und schiebe den Zeigefinder durch den kleinen Spalt an die fische Luft. Mir ist klar: egal wo wir ankommen, ich steige nicht aus!

In den Autos die wir überholen sitzen Menschen mit Steppwesten und Pudelmützen. Verärgert schiesst es mir durch den Kopf: „Wieso habe ich das Wetter nicht gecheckt?“

 

Noch eine 1 Stunde Fahrt. Mein Blick klebt hypnotisierend an der Temperaturanzeige. Ich hoffe auf eine zweistellige Zahl, sonst ist die Fahrt umsonst.

 

Unsicherheit kommt auf. Ob ich auch wirklich alle Informationen aus dem Video verstanden habe?

 

Ich rufe das Kind zu Hause an und lasse nochmals den Clip prüfen. Es dauert kleine 15 Minuten, und erhalte die nächste Hiobsbotschaft:

 

Kind (entspannt): : Mama, die Genehmigung hast du, ja? 

Ich (erschrocken) : „Genehmigung , für was denn?“

Kind (belehrend): „Na der Typ sagt doch, das Flussbett ist Privatgelände. Man kommt dort nicht rauf. Man muss sich vorher anmelden und ein Genehmigung einholen.“

 

"Na super!", denke ich. Völlig fixiert auf das Finden das Eingangs, erreichte mich diese Randinformation bei meiner Recherche überhaupt nicht.

 

Optimale Reisevorbereitung:

  • ungefähre Wegbeschreibung , 
  • kurzärmelig bei 3 Grad Außentemperatur 
  • keine Registrierung

 

Das kann nur noch gegen einen Baum gegen und genau an diesem halten wir um 12:55 Uhr.

Die Strasse hört auf. Mitten im Nirgendwo ist die Fahrt zu Ende. Ich kann mich nicht erinnern wann ich das letzte Mal so deprimiert war. Wenigsten zeigt das Thermometer 12 Grad. Unweit von unserem verloren Standort, ...um es mit den Worten des Navis zu sagen: „Sie haben Ihr Ziel erreicht!“ , befindet sich ein grünes Haus mit viel Hof drum herum. Zwischen Hunden, Hühnern und Pferden entdecke ich drei Leute.

 

 

Wer kennt das Gefühl, wenn es so absolut sinnlos ist nach dem Weg zu fragen? Es ist ermüdend und die pure Verschwendung von Worten. Man will gar nicht den Mund aufmachen. Und ich höre mich leise enttäuscht stammeln:

„Wir suchen den Arroyo del Cura Canyon“. Dabei verdrehe ich verzweifelt die Augen, wohl wissend das niemand weiß, wovon ich überhaupt rede. Ich möchte auch nicht die ahnungslosen Blicke sehen und die Überforderung in der Antwort hören. Vorsorglich verschliesse ich meine Ohren.

„Si claro!.“, antwortet ein junger Mann.

„Wir gehen gleich rüber. Ihr könnt mitkommen wenn ihr wollt. In 5 Minuten gehts los!“

Träume ich oder träume ich, und reisse Ohren und Augen weit auf."Ernsthaft jetzt? Wirklich?“

 

Ich kann es nicht glauben. Wie ein Wasserfall sprudeln Worte der Begeisterung aus mir heraus. Es ist ein Wunder, eine Punktlandung, ein Sechster im Lotto. Ziel erreicht! Wir haben einen Guide, eine Gruppe und wandern 1 Stunde durch nahezu unberührtes Land bis wir auf den atemberaubenden "Arroyo del Cura" Canyon treffen...  

Aber kommt einfach mit und schaut es euch selber an. Fotos sagen mehr als 1000 Worte: 

 


Juli 2022 ...Eine Insel zum Entdecken...

Die Insel Lobos befindet sich im Bundesstaat Veracruz im Golf von Mexiko. Dort wo eigentlich der Sand schwarz und das Meer dunkel sind, überrascht nach einer Stunde Fahrt  ( 35 km) mit dem Motorboot das "Karibik - Feeling".

Die Insel ist ein Geheim -Tipp. Ein registriertes, zertifiziertes Boot ist erforderlich, das Wetter muss mitspielen, Angst vor Wellengang darf man nicht haben und, man muss offen für Regeln sein: "Kein Alkohol, keine Musik, kein Müll".

Darüberhinaus ist "Einsamkeit" angesagt, denn die Anzahl der Besucher ist begrenzt. Maximal 75 Leute dürfen sich 2 Stunden auf "Lobos" aufhalten. Frei umherlaufen ist auch nicht. Man bekommt einen Strandabschnitt zugeteilt. Nur hier verbringt man die erlaubte Zeit, natürlich im "OFFLINE-Modus". Wer das mit sich vereinbaren kann, erlebt eine kurze aber dennoch atemberaubende Zeit im Golf von Mexiko mit "Karibik-Feeling".

 


 

Im Gespräch mit dem Künstler Hugo Zuñiga in Acapulco

 

Was der Musiker Udo Lindenberg für Hamburg und das Hotel Atlantik ist, das ist der Maler Hugo Zuñiga für Acapulco und Johnny Weissmüllers „Tarzan-Haus“, ...auch bekannt als Hotel Flamingo.

Hugo Zuñigas auftragsreiche Zeiten und auch die vom Erfolg gekrönten Jahre sind vorbei. Früher waren es Königshäuser, die der Künstler mit seinen Werken bereicherte. Weltweit bekannte Persönlichkeiten ließen sich von ihm portraitieren. Heute bringt der Maler lediglich Menschen aufs Papier, die es sich noch leisten wollen. Wir begegneten uns zum ersten Mal im Februar 2021 im Hotel. Zuñiga saß damals alleine in der Lobby.  Slipper, Leinenhose, offenes gestreiftes Herrenhemd, Muschelkette auf gebräuntem Oberkörper, dazu passende Ringe und Armbänder, um den Hals eine chirurgische Maske, darüber eine Ray-Ban-Brille und oben drauf ein Strohhut - sein Anblick und seine Aura hatten mich fasziniert: Ich wollte unbedingt ein Foto von ihm machen! Aus einem genehmigtem Schnappschuss wurde ein zwei Stunden Gespräch. Zuñiga plauderte aus seinem Leben. Ab und an zog er Fotos, Zeitungsartikel und Skizzen aus einem verbeulten und an der Seite aufgerissenen Alu-Koffer, den er notdürftig mit einem Gürtel zusammen hielt. Die spektakulärste Story war seine Nacht mit "El Chapo Guzman". Ich hatte im Februar tatsächlich den Auftragsmaler des ehemaligen Chefs des Sinaloa Kartells im Gespräch und vor der Linse.

Es ist Mai 2021, drei Monate später. Wir sind zum Essen im Flamingo und begegnen uns. Zuñiga sieht anders aus - besser. Er trägt wieder  ein offenes gestreiftes Herrenhemd, allerdings dazu Kroko-Schuhe, eine Anzugshose, opulente Goldketten und Bernsteine um den Hals. Die Kopfbedeckung aus Stroh hat er gegen einen Trachtenhut mit Feder getauscht. Die Maske fehlt. Mein Blick fällt auf das drei x vier Meter große Meeres-Mosaik an der Wand, genau dort wo Zuñiga seinen Lieblingsplatz hat. Ich bin beeindruckt von dem, was der Künstler in den letzten Monaten geschaffen hat. Er erklärt mir die unterschiedlichen Materialien - alles, was das Meer eben so hergibt. Ich erinnere mich. Früher verwandelte er die Pools der Stars mit seinen Meeres-Mosaiken in Unikate. 

 Zuñiga hat Lust mir sein Atelier zu zeigen. Und obwohl mein Essen auf mich wartet, zögere ich keine Sekunde.

Das Flamingo ist auf Felsen gebaut und zieht sich am Meer entlang. Ich folge Zuñiga über schmale Wege, vorbei an den Terrassen der Hotelzimmer. Die Fassade leuchtet pink, die kopierten Adirondack Stühle sind weis. Die Natur gibt ihr Grün dazu. Der Himmel liefert in Blau ab. Seitlich begleitet uns ein schillerndes Meer mit der untergehenden Sonne. Es ist still. Über kleine Treppenabsätze und Betonpfade gelangen wir dorthin, wo sich nun die Natur ungehindert, wildwuchsartig ausbreitet. Hier verliert das Flamingo an Farbe. Stattdessen hat sich Zuñiga an Wänden, Tischen und Stühlen in einem Mix aus "gelb-grün-beige" verewigt.  Es ist unverkennbar seine Handschrift, sein Reich. Augen berühmter Menschen schauen aus großen Gesichtern von den Wänden herab. Es hat etwas magisches. Er kannte sie alle. Zu jeder Abbildung fällt dem Maler eine Geschichte ein. Ich verstehe nur Bruchstücke. Es ist die Aufregung. Und so bleibt Zuñigas Welt für mich geheimnisvoll verschleiert. Das macht alles noch magischer. 

 

Wir sind am Atelier angekommen. Zuñiga öffnet die Tür wie zu einer Schatzkammer. Ich fühle mich geehrt, Zuñiga auch. Es ist dunkel, überladen, zugestellt. Wäsche, Bilder und Farben teilen sich diesen Raum - kreuz und quer gestapelt. Ein grosses Porträt von Frida Kahlo hängt an der Wand. Wie eine Heilige präsentiert Zuñiga sie über seinem „Künstlerchaos“, das er beherrscht. Mit wenigen Handgriffen holt er aus dem Tohuwabohu die Abbildung seiner Mutter hervor. Frida Kahlo verblasst. Zuñiga sucht weiter in seiner Schatzkammer. Dann legt er ein dickes Buch auf den Tisch. Zeitungsartikel, Fotos, Skizzen, die im Februar noch ungeordnet in seinem Alu-Koffer auf einen Augenblick der Aufmerksamkeit warteten, haben jetzt hier ihren Platz gefunden. Ich erinnere mich. Er hatte sie mir damals gezeigt, doch das weiß er nicht mehr. Zuñiga freut sich über unseren Austausch und über mein Wissen. Zum Abschied schenkt er mir eine Zeichnung, mit Titel, Geschichte und Signatur. Fortsetzung folgt.

 


 Zu Besuch bei Edward James (1907-1985) in seinem Garten Eden (Los Pozas)

 

„Er" soll der Sohn des englischen Königs (Edward VII.) gewesen sein, zumindest war dieser sein „godfather". Seine Mutter ( Willie James / Evelyn Elizabeth Forbes) gehörte zur Billionen-US-Dollar-Forbes-Dynastie. Er selber war Multimillionär. Zu seinen engeren Freunden zählten Freud, Zweig und Dali, die sein exzentrisches Leben wesentlich beeinflussten. Edward mochte Orchideen, Pilze, Drogen, Whiskey, Kunst, Männer und Mexiko. Und in Mexiko sollte sein "Garten Eden" entstehen... 

Was daraus geworden ist ? 

...eine unvollendete Dschungelstadt (Nähe Xilitla Bundesstaat San Luis Potosi) auf ca. 40 Hektar, bestehend aus Tempeln, Palästen und Käfigen für exotische Tiere wie, Schlagen, Bären, Vögel,  Krokodile, Tiger mit denen er lebte - bei denen er hauste.

Wasserfälle fliessen durch seine Paläste, ...natürlich nur bei Regenzeit.  Wendeltreppen ziehen sich zum Himmel empor. Stufige Wege führen ins „NICHTS“ oder in die Unendlichkeit des Dschungels. Die Statik ausser Acht lassend, liess er alles auf Säulen errichten, denn nur die Kunst stand im Focus, in Verbindung mit der Lebendigkeit des Ganzen und seine Liebe zu Orchideen. Und alles was Edward liebte fand einen Platz in seinem Garten Eden. Ich habe Edwards "Garten Eden" im Juni 2021 besucht ... Fotos sagen mehr als 1000 Worte.


Dreharbeiten in Mexiko - City mit Alejandro González Iñarritu ( Film " Bardo")

 

Im Juni 2021 wurde ich überraschender Weise zu Dreharbeiten nach Mexiko City eingeladen. Das passierte mir bisher noch nicht. „Ach", dachte ich, "eine Woche alleine in Mexiko City, das wird schon gut gehen, und es ist bestimmt spannend!" Es war der Wahnsinn. Eine Woche nur "ICH", und das auch noch ab und zu im Rampenlicht.

Natürlich gab es kritische Situationen in der mexikanischen Hauptstadt. Hier eine Story dazu:

 

Gleich am ersten Drehtag werde ich nachts um drei Uhr zum falschen Standort gefahren. Bis ich das realisiere, ist das Taxi weg. Ich überlasse grundsätzlich nichts dem Zufall. Und so hatte ich mir den Drehort einen Tag vorher angeschaut. Jetzt ist es stockfinster und niemand ist da. Telefonisch kann ich auch keinen von Team erreichen. Wie gesagt, es ist der erste Tag. Alle kommen später, in Mexiko gehört das zum „guten Ton“. Ich kann das nicht, … zu spät kommen. Plötzlich steht im Dunkeln ein Unbekannter neben mir.

 

„ Wo willst du denn hin?“, fragt er.

Da geht schon mein imaginäres Messer in der Hose auf. So sind wir hier leider "gebrieft".

„ Zu den Dreharbeiten!“, stottere ich.

Er: „Ich bring dich hin. Das ist hier um die Ecke!“

 

Aufgeregt wie ich bin, verstehe ich: „Ich bring dich um die Ecke! In Deutschland ist das vielleicht kein Problem, in Mexiko ein absolutes „NO GO“. Man lässt sich nicht irgendwo, von irgendjemanden ansprechen. Man ist hier nachts um drei Uhr überhaupt nicht unterwegs. Aber was bleibt mir übrig? Um 3:30 Uhr gehts los, und ich habe nicht die leiseste Ahnung wo ich bin, geschweige denn, wo ich hin muss. Ich habe nur diesen falschen Standort und diesen Typen neben mir.

 

Aus sicherheitstechnischen Gründen,  nicht wegen Covid, laufe ich mit 2 Meter Abstand neben meinem selbsternannten Guide her. Die Entführungsquote in Mexiko ist beängstigend. Ich weiß das. Ich habe Angst. Dazu bin ich nervös: Der erste Drehtag mit Iñarritu dem Starregisseur, 5-facher Oskar-Preisträger, bekannt aus : „The Revenant“, „Birdmann" etc.… und ich fühle mich gerade entführt. Mir geht es hundeelend, und ich überlege, was ich zu meiner Eigensicherung tun kann. "Am Besten gar nicht hier sein!!!", denke ich, aber das kann ich momentan nicht ändern. Wo ich gerade bin, da komme ich nicht weg. Nicht mal ein "Uber-Taxi" würde mich in diesem "Straßen-Durcheinander" finden - verschachtelte Hinterhöfe und unbefestigte Wege dazu.

"Jemanden anrufen wäre nicht schlecht!", schiesst es mir durch den Kopf. Aber in Mexiko schlafen alle. Deutschland ist zwar 7 Stunden voraus, nur arbeiten die meisten Freunde. Da fällt mir meine “Hula Hoop - und Kochfreundin” Uschi ein. Sie hatte mich noch 1 1/2 Stunden zu vor geweckt - mein Überseewecker quasi.

"Uschi ist bestimmt noch zu Hause.", hoffe ich. Fassen wir zusammen: ich bin aufgeregt, panisch, gestresst, verängstigt, so einen Anruf möchte keiner bekommen. Zeit meinen Anruf zu strukturieren, habe ich nicht. Ich bin froh, dass ich überhaupt Internet/ Daten habe, "normal" telefonieren geht in Mexiko nicht. Ich bekomme nur eine Verbindung nach Kanada und den USA, oder kann innerhalb Mexikos anrufen. 

 

Uschi und WhatsApp sind also meine Rettung. Und ich vertippe mich nicht einmal. Man muss beim WhatsApp-Anruf nicht tippen. Kennt ihr das?… wenn ihr ganz schnell eine Nummer wählen müsst, und ihr verwählt euch, einmal, zweimal, dreimal, viermal, fünfmal… also ich kann das,… mich hektisch verwählen. Mittlerweile habe ich schon Alpträume davon: ich muss jemanden anrufen, aber ich erreiche niemanden, weil ich mich immer wieder verwähle.

 

Jetzt bin ich nicht im Traum, obwohl es sich anfühlt wie ein Traum .. ein Alptraum. Ich befinde mich orientierungslos, planlos, panisch in der Realität, alleine nachts in Mexiko-City mit einem selbsternannten Guide, der mich nur um paar Ecken bringen will. Ich drückte den Hörer bei WhatsApp - Uschi ist sofort dran:

Ich: "Ich habe ein Problem. Falscher Standort, ich weiss nicht, wo ich hin muss, ich laufe hier mit jemanden mit, ich kenn den nicht mal, es ist 3:00 Uhr nachts, keine Ahnung wo er mit mir hinläuft....Bevor noch mehr wirre Informationen aus mir raussprudeln, unterbricht mich Uschi: „Mach ein Foto!“

Ich drehe mein Handy vorsichtig zur Seite und versuche so unauffällig wie möglich meinen Begleiter zu fotografieren. Vom Blitz geblendet, völlig verwirrt, starrt er mich an. “Mist!“ denke ich, er hat es gemerkt. Ich versuche peinlich berührt zu grinsen. Spätestens jetzt bin ich ihm auch unheimlich. Und Uschi ist nicht zufrieden:„Das Bild ist verschwommen. Und er hat eine Maske auf. Den erkennt man doch gar nicht. Wenn er dich mitnimmt, nach wem bitte soll man suchen? Mach eins von vorne!“ Von vorne geht natürlich nicht und ohne Maske auch nicht. Was ein Glück, dass mein Guide kein Deutsch versteht. Uschi und ich einigen uns auf: „Wenn ich mich nicht mehr melde, ist mir was passiert“. Uschi weiß Bescheid. Ich werde mit jedem Schritt ruhiger, denke ich zumindest. Wir sind dann 3 Mal um die Ecke. Zu meinem Glück hat mein Begleiter keine bösen Absichten. Ich habe es nur in seinem Blick gesehen : „Hilfe… wie ist sie denn unterwegs, ich hab Angst - voll Psycho“… tja , so kann es laufen.

 

Was sagt uns das ?: „Immer schön wachsam sein! , … nicht alle Menschen haben böse Absichten … und gut, wenn man ne Uschi hat.

 

(Der Film erscheint im November 2022 in den Kinos und ist bereits für die Oskar-Nominierung 2023 im Gespräch.) 


Zu Gast auf der Fashion-Show von "TROZMER"in Puebla im Juni 2022

Unter dem Motto: "Visionen 22/23" stellten Designer der Universität TROZMER www.trozmer.edu.mx ihre Kollektionen vor. Veranstaltungsort war die ehemaligen Textilmanufaktur "Santo Domingo" in Puebla.